Kleines Zwischenfazit nach knapp 4000km

Ich wohne mitten in Berlin. Die Zero fährt mich dieses Jahr zu fast allen meinen Zielen in der Stadt. Sofern es überhaupt mit einem Zweirad machbar ist, nehme ich sie. Verglichen mit einem Verbrenner – nur Vorteile. Man kann überall laden. Man kommt überall hin. Der Akku hält im Regelfall länger als eine Woche. Der Verbrauch ist minimal. Im Stau kein sinnloses getuckere, die linke Seite ist frei und braucht sich nicht um Kupplung und Schaltung zu kümmern. An der Ampel kommt man ohne angestrengtes Dröhnen von 0-50kmh gefühlt schon bis mitte der Kreuzung. Die Kiste handelt sich super, trotz Gewicht und durch die hohe Bauart hat man einen guten Überblick – trotz hoher SUV-Dichte in der Stadt.

Verglichen mit einem Fahrrad – die Zero ist ein echtes Motorrad und darf nicht auf Radwege, steht also mehr im Stau. Parken kann man auch ohne sie anzuschließen. Mit Helm und Anzug ist man im Sommer erheblich zu warm angezogen. Wechselklamotte ist beim Arbeitspendeln Pflicht.

Hier fühlt sie sich wohl

Aber ich habe das Motorrad ja nicht für die Stadt gekauft, sondern um schöne Touren in der Gegend zu machen. Dafür ist der Akku auch wunderbar geeignet. Die 160km Landstraßenreichweite kann man gut verplanen. Damit kann man eine schöne Tour mit einer Stunde Ladepause planen die letztlich einen angenehmen Tourentag mit insgesamt gut 200km gestalten. Damit hat man auf der Landstraße in der Regel auch genug zu tun. Im Mittelgebirge fängt die Sache an richtig Spaß zu machen. Da man sich um keine Gänge kümmern muss und massiv Drehmoment zur Verfügung hat, kann man einfach nur Kurven genießen. Das macht so viel Spaß dass man eigentlich gar nicht mehr nach Hause will.

Dummerweise ist das nächste Gebirge aber 250km weit weg – und damit einen ganzen Tag Landstraße entfernt. Das nervt, denn auf der Autobahn macht die Karre nicht so viel Spaß. Natürlich kann ich mit 150km/h durchaus im Verkehr mitschwimmen – aber die Reichweite sinkt doch sehr rapide. Was bringt es 100km in 50 Minuten zu schaffen um dann 100 Minuten am Charger zu hängen? Die Ladezeiten sind zum Touren echt eine Qual. Ich habe nichts gegen 30 Minuten Pausen am Ladegerät – die finde ich durchaus entspannend. Kann auch durchaus öfter sein. Aber wenn es über eine dreiviertel Stunde hinaus geht, fängt es doch an gehörig zu nerven.

Nehmen wir folgendes Szenario – ich habe im Sommer Freitags früh Feierabend – auf der Autobahn kann man in 2h bis Dresden kommen. Das macht zwar keinen Spaß, positioniert mich aber gut für einen schönen Samstag in den Bergen. Dann kann ich noch einmal übernachten, den nächsten Vormittag noch ein bisschen cruisen und dann mit dampf in den ollen Molloch zurück. Oder über Landstraße – wobei ich da auch schon einige kenne – und so cool sind die auf die Dauer auch nicht.

So stellt sich also die Frage – wie gestaltet man die Anreise möglichst komfortabel und Zeitsparend um dann in der Zielregion maximalen Spaß zu haben?

Ich habe mal nach Motorradzügen geschaut. Sieht ganz schön mau aus. Nächste Haltestelle Hamburg. Von da kann man dann über Nacht in den Süden fahren – das Angebot ist aber sehr überschaubar – und bahntyptisch teuer, auch wenn die Deutsche Bahn gleich gar nichts mehr anbietet. Bei €500 für die Fahrt an die Schweizer Grenze schlucke ich dann schon etwas. Ich meine, klar, über Nacht reisen spart eine Hotelübernachtung und einen Tag. Trotzdem macht man das wohl doch nicht für ein langes Wochenende – zumal man ja auch nach Hamburg fahren muss.

Natürlich gibt es die Option Anhänger. Damit kann man Strecke entspannt auf der Autobahn machen. Aber man hat halt auch den Hänger an der Backe, mit all den sperrigen Nebenwirkungen.

Am vernünftigsten erscheint einfach irgendwo zu wohnen wo es schön ist – dann gibt es das Anfahrt Problem nicht. Andererseits – wer will schon immer auf der Hausstrecke bleiben? Und dann hat man wieder das Problem.

Ich brauche einfach mehr Urlaub!

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